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Der Fed-Chef, der Trump enttäuschen könnte
Politik 15. Mai 2026 4 Min.

Der Fed-Chef, der Trump enttäuschen könnte

Der Fed-Chef, der Trump enttäuschen könnte – Die politische Lage in Deutschland bleibt weiterhin spannend.

Kevin Warsh übernimmt heute den Vorsitz der US-Notenbank.

Präsident Trump hofft auf eine lockere Geldpolitik. Doch Warsh könnte für Trump unbequemer werden als gedacht. Eine Analyse von Angela Göpfert, ARD-FinanzredaktionKevin Warsh übernimmt heute den Vorsitz der US-Notenbank - und der Druck aus dem Weißen Haus könnte kaum größer sein.

So sagte Präsident Donald Trump im Vorfeld, er wäre "enttäuscht", wenn Warsh die Zinsen nicht "sofort" senken würde. Doch ob Kevin Warsh tatsächlich liefern kann, was sich Trump von ihm erhofft, ist keineswegs ausgemacht. Fakt ist: Der neue Fed-Chef hat sich in der Vergangenheit schon häufiger für niedrigere Zinsen ausgesprochen.

Ein genauerer Blick auf die Sachlage zeigt: In einem Meinungsbeitrag im Wall Street Journal beschrieb er Künstliche Intelligenz als "disinflationäre Kraft": KI könne die Produktivität steigern und so den Preisauftrieb dämpfen.Neuer Fed-Chef will Inflation anders messen Auch bei der Inflationsmessung setzt Warsh andere Akzente als sein Vorgänger. Statt vor allem auf die klassische Kerninflation zu schauen - also die Teuerung ohne Berücksichtigung der stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise -, verweist er auf sogenannte "Trimmed Mean"-Maße. Dabei werden extreme Preisbewegungen herausgerechnet.

Das birgt aber eine große Gefahr: Solche getrimmten Mittelwerte, wie sie etwa die Dallas Fed berechnet, könnten die Inflation gerade in Krisenzeiten unterschätzen, warnen die Commerzbank-Ökonomen Bernd Weidensteiner und Christoph Balz. Das sei bei der Ölkrise der 1970er-Jahre und auch während der Corona-Pandemie der Fall gewesen. Warsh auf Mehrheit im Offenmarktausschuss angewiesenDoch es ist fraglich, ob sich Warsh mit einem Pro-Zinssenkungs-Kurs angesicht einer US-Inflation auf Drei-Jahres-Hoch überhaupt durchsetzen kann.

Wie aus den aktuellen Berichten hervorgeht: Denn der Fed-Chef entscheidet nicht allein über die Geldpolitik - für Zinssenkungen braucht er eine Mehrheit im Offenmarktausschuss."Da müsste Trump noch mehr Posten austauschen, damit er die Zinspolitik der Fed bestimmen kann", betont Stefan Riße von Acatis im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. "Und dann müssten diese ernannten Kandidaten auch noch willfährige Lakaien sein - das sehe ich selbst bei Kevin Warsh nicht."Powell bleibt als GegengewichtHinzu kommt: Jerome Powell verschwindet nicht sofort komplett von der Bühne der Geldpolitik. Der ehemalige Fed-Chef bleibt vorerst Mitglied im Board of Governors und damit auch im Offenmarktausschuss.

Eine heikle Situation - die es so seit 1948 nicht mehr gegeben hat. Edgar Walk von Metzler Asset Management hält es im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion deshalb sogar für möglich, "dass die Mehrheit im Offenmarktausschuss gegen den Vorsitzenden stimmt". Für Warsh könnte das auch eine politische Schutzfunktion haben.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang: "Vielleicht kann er das als Ausrede nehmen gegenüber Trump nach dem Motto: 'Ich habe einfach keine Mehrheit bekommen für die Geldpolitik, die du haben willst'."Warsh will Fed-Bilanz zurückfahrenNoch wichtiger als die Leitzinsen könnte aber Warshs zweites großes Projekt werden: die Bilanz der Fed. Warsh hat die durch den massiven Kauf von US-Staatsanleihen stark aufgeblähte Notenbankbilanz wiederholt kritisiert. Hier hat er nach Meinung von Experten durchaus einen Punkt, lag die Bilanzsumme der Fed doch zum Ende des zweiten Quartals bei 6,7 Billionen Dollar beziehungsweise 21 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise 2008 hatte die Fed-Bilanz noch rund 900 Milliarden Dollar respektive sechs Prozent des BIP betragen.Finanzierung für US-Staat könnte teurer werdenWarsh will die Fed nun auf ihren Kernauftrag zurückführen - und die Bilanz schrumpfen. Seine Logik dahinter: Wenn die Fed auf diese Weise geldpolitische Unterstützung herausnimmt, schaffe sie Spielraum für Leitzinssenkungen. Fährt die Fed aber ihren Bestand an US-Staatsanleihen zurück, dürften dadurch die Zinsen am langen Ende steigen - also bei zehn- und 30-jährigen US-Staatsanleihen.

Folgendes ist außerdem wichtig zu wissen: Für den hoch verschuldeten US-Staat hätte das drastische Folgen, warnt Acatis-Ökonom Riße: "Wenn die langfristigen Zinsen steigen, dann werden die Budgetdefizite, die unter Donald Trump nochmals gestiegen sind, immer teurer zu finanzieren."Hat Trump mit Warsh aufs falsche Pferd gesetzt?Damit könnte Warsh ausgerechnet dort gegen Trumps Interessen handeln, wo es für den Präsidenten besonders wichtig ist: bei den Finanzierungskosten des Staates. Findet Warsh im Offenmarktausschuss zugleich keine Mehrheit für Leitzinssenkungen, so könnte die künftige Fed-Politik unterm Strich deutlich restriktiver ausfallen.Am Ende könnte Trump somit einen Fed-Chef bekommen, der zwar anders klingt und anders argumentiert als Powell - aber nicht automatisch die lockere Geldpolitik liefert, die sich das Weiße Haus erhofft. Warsh könnte für Trump unbequemer werden als gedacht.

tagesschau.de | Warsh übernimmt Fed-Spitze - Risiko für Trump und Märkte? | 13.05.2026 | 14:11 Uhr 

Politische Analysten sehen in dieser Entwicklung einen wichtigen Wendepunkt. Die Debatte darüber dürfte in den kommenden Wochen an Intensität gewinnen.

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