Das ist die Situation in der Altenpflege – Erneut gibt es wichtige Entwicklungen in der deutschen Politik.
Wie entwickeln sich die Zahlen der Pflegebedürftigen?
Wie ist die finanzielle Lage der Pflegekassen? Sind Beitragserhöhungen zu erwarten? Ein Blick auf Zahlen und Fakten zum Tag der Pflege.Die AusgangslageNoch im Mai will Gesundheitsministerin Nina Warken einen Gesetzentwurf für eine Pflegereform vorlegen.
Denn neben der Krankenversicherung fährt auch die Pflegeversicherung Milliardendefizite ein. Der Handlungsdruck ist also groß. Auf die Versicherten und die Pflegebedürftigen könnten zusätzliche Belastungen zukommen.
Was das konkret bedeutet: Auch die Arbeitsbelastung der rund 1,7 Millionen Menschen, die in der Alten- und Krankenpflege beschäftigt sind, dürfte kaum sinken. Wie entwickelt sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren? Die sogenannten Babyboomer werden die Situation der Pflege in Deutschland massiv verändern.
Nicht nur, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren stark zunehmen wird. Auch scheiden bei den professionell Pflegenden bald viele aus dem Arbeitsleben aus. Das gefährdet die Versorgung älterer Menschen ganz erheblich.
Dabei ist besonders hervorzuheben: Was heißt das in konkreten Zahlen? Mehr als 74 Millionen Bundesbürger sind über die gesetzliche Pflegeversicherung versichert. Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt: Erhielten 2003 etwas mehr als zwei Millionen Menschen Leistungen der Pflegeversicherung, sind es mittlerweile fast sechs Millionen.
Aktuelle Vorausberechnungen gehen von einem weiteren Anstieg auf 6,8 bis 7,6 Millionen bis 2055 aus. Außerdem nimmt die durchschnittliche Pflegedauer zu. Woran liegt das?
Ein genauerer Blick auf die Sachlage zeigt: Hintergrund sind die Alterung der Gesellschaft, aber vor allem Reformen der Pflegeversicherung, die zu mehr Leistungsempfängern führten. Auch Personen, die unter Demenz oder psychischen Erkrankungen leiden, erhalten seit 2017 Leistungen der Pflegeversicherung. Wie ist die Pflege in Deutschland aufgestellt?
In Deutschland gab es Ende 2023 rund 16.500 zugelassene Pflegeheime und etwa 15.549 ambulante Pflegedienste. In den Pflegeheimen arbeiten rund 818.000 Menschen, in den Pflegediensten rund 446.000 - jeweils viele davon in Teilzeit. Der Deutsche Pflegerat geht davon aus, dass bis 2034 rund 500.000 Pflegekräfte (in Kranken- und Altenpflege) fehlen werden.
Darüber hinaus wurde bekannt: Bereits jetzt seien 115.000 Stellen nicht besetzt. Welche Rolle spielen ausländische Pflegekräfte? Fast jede fünfte Pflegekraft in der Alten- und Krankenpflege besitzt laut Bundesagentur für Arbeit eine ausländische Staatsangehörigkeit.
In Krankenhäusern und Kliniken liegt der Anteil ausländischer Pflegekräfte inzwischen bei 17 Prozent, in der ambulanten und stationären Pflege sogar bei 24 Prozent. Wo werden die Pflegebedürftigen versorgt? Von den rund sechs Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden 86 Prozent zu Hause versorgt, davon etwa eine Million mit Unterstützung von Pflegediensten.
Die Hintergründe im Detail: Rund 800.000 Menschen leben in stationären Einrichtungen.Wie viel gibt Deutschland für Pflege aus? Die Gesundheitsausgaben in deutschen Pflegeeinrichtungen haben sich laut Statistischem Bundesamt innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. 2023 wurden 82,4 Milliarden Euro ausgegeben.
Erfasst wurden Ausgaben in ambulanten, stationären und teilstationären Einrichtungen. Wie ist die Finanzlage der Pflegeversicherung? Die Einnahmen der gesetzlichen Pflegeversicherung betrugen 2025 rund 73,3 Milliarden Euro, die Ausgaben lagen bei 73,8 Milliarden.
Folgendes ist außerdem wichtig zu wissen: Im kommenden Jahr fehlen der Pflegeversicherung nach Darstellung von Ministerin Warken 7,5 Milliarden Euro. Experten befürchten bis 2033 ein Loch von über 15 Milliarden Euro. Wie könnte man zu einer nachhaltigen Finanzierung kommen?Die Pflegekassen sehen zunächst den Bund in der Pflicht, die Versicherung mit Steuermitteln zu stützen.
Die Pflegeversicherung habe Corona-Hilfen von rund sechs Milliarden Euro ausgelegt. Die Kassen haben Klage eingereicht, weil der Bund diese aus ihrer Sicht versicherungsfremden Leistungen nicht zurückzahle. Denkbar sind auch Leistungskürzungen: Diskutiert wird ein Neuzuschnitt der fünf Pflegegrade.
Wie aus den aktuellen Berichten hervorgeht: Vor allem der Zutritt zu den Pflegegraden eins und zwei könnte erschwert werden, was dazu führen würde, dass weniger Menschen Leistungen erhalten.Stehen neue Beitragserhöhungen zur Pflegeversicherung an? Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung war zum 1. Januar 2025 um 0,2 Prozentpunkte auf 3,6 Prozent angehoben worden.
Die Bundesregierung will weitere Erhöhungen unbedingt verhindern, weil das die Arbeitskosten erhöht. Seit Jahren gibt es Debatten über strukturelle Reformen auf der Einnahmenseite: SPD und Grüne sind für eine Bürgerversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen und bei der auch Einkommen aus Aktien oder Vermögen berücksichtigt werden. Darüber hinaus wird darüber diskutiert, dass Gutverdiener höhere Beiträge leisten, etwa durch eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang: Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich für mehr Eigenvorsorge ausgesprochen. Er schlägt eine private Pflegezusatzversicherung vor. Möglich wäre auch, den bestehenden Pflegevorsorgefonds zu einer dauerhaften Kapitalstütze auszubauen.
Was ist mit den stark wachsenden Eigenbeteiligungen der Pflegeheimbewohner?Der Eigenanteil für Bewohner in Pflegeheimen erreicht im Bundesdurchschnitt mittlerweile rund 3.245 Euro pro Monat im ersten Aufenthaltsjahr. Und die Kosten könnten noch weiter steigen: Berichten zufolge sieht die angekündigte Pflegereform vor, dass die gestaffelten Zuschüsse der Pflegekasse, die Bewohner je nach Aufenthaltsdauer zur Senkung der Eigenanteile erhalten, langsamer anwachsen als bisher. Ziel wäre damit, bei der Pflegeversicherung Ausgaben in Milliardenhöhe einzusparen.
Die weiteren Details dazu: Gibt es Reformmöglichkeiten auch jenseits des Finanziellen? Die Situation der Pflege könnte verbessert werden, wenn ältere und pflegebedürftige Menschen länger in ihren eigenen vier Wänden leben können - durch Unterstützung der Angehörigen oder durch soziale, hauswirtschaftliche und medizinische Angebote sowie Beratung. Vorbeugung und Rehabilitationsangebote könnten dafür sorgen, dass Pflegebedürftigkeit verhindert oder aufgeschoben wird.
Experten schlagen außerdem neue Wohnformen wie etwa ambulant betreute Wohngemeinschaften oder Mehrgenerationenhäuser vor. Auch pflegende Angehörige könnten durch Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen gestärkt und damit die häusliche Pflegesituation stabilisiert werden.(Quelle: KNA, dpa)RBB24 Inforadio | Nachrichten | 12.05.2026 | 06:28 Uhr
Die politischen Entwicklungen in diesem Bereich werden von Experten und Beobachtern aufmerksam verfolgt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Tagen und Wochen weiterentwickeln wird.
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